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Anthroposophische Medizin

Die Anthroposophische Medizin ist eine um spirituelle Aspekte erweiterte ganzheitliche Medizin, die das individuelle Zusammenspiel von Körper, Seele, Geist und Lebenskräften zum Ausgangspunkt jeglicher Behandlung macht. Über die umfassende Anregung der Selbstheilungskräfte wird der kranke Mensch zurück in sein persönliches gesundes Gleichgewicht begleitet. Dabei handelt es sich um eine Erfahrungs- und Begegnungsmedizin, denn der Beziehung zwischen Heilpraktiker beziehungsweise Therapeut und Patient kommt eine entscheidende Bedeutung für die Heilung zu.

Der anthroposophische Heilpraktiker betrachtet den gesamten Menschen, seine Physiognomie, Biografie und Lebensgestaltung und setzt diese Elemente in Bezug zu dem körperlichen Befund. Deshalb sind das ausführliche Gespräch und die sich daraus ergebende vertrauensvolle Beziehung zentral für die Diagnose und anschließende Therapie sowie für den Heilungsprozess. Im Sinne einer solchen „Begegnungsmedizin“ wird gemeinsam versucht, die gesamte Problematik zu erfassen und Heilungswege zu ergründen.

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Nicht nur Medikamente führen zur Gesundung
Aus einem großen Spektrum an anthroposophischen Arzneimitteln und weiteren Therapieformen (zum Beispiel Wickel und Auflagen oder Heileurythmie und künstlerische Therapien) wählt der anthroposophische Heilpraktiker das für den jeweiligen Patienten Stimmige aus. Darüber hinaus stehen Arzneimittel zur Selbstmedikation gängiger Erkrankungen zur Verfügung.

Insgesamt gibt es mehr als 2.000 Arzneimittel in der Anthroposophischen Medizin, die zum Teil nach homöopathischen Verfahren aus mineralischen, pflanzlichen und tierischen Substanzen hergestellt werden. Die pflanzlichen Bestandteile stammen, soweit verfügbar, aus biologisch-dynamischem Anbau. Diese Arzneimittel werden in Form von Salben, Gelen, Essenzen oder Ölen entweder für äußerliche Anwendungen wie Wickel, Bäder, Einreibungen und rhythmische Massagen eingesetzt, innerlich als Tabletten, Globuli velati, Tropfen, Pulver und Zäpfchen oder als Injektionen verabreicht.

Zu den anthroposophischen Therapien zählen darüber hinaus die Kunsttherapie (plastisch-therapeutisches Gestalten, therapeutisches Zeichnen und Malen), Musiktherapie, Sprachgestaltung, Rhythmische Massage, Heileurythmie, Gesprächstherapie und Biografiearbeit, die alle gleichwertig neben den Arzneimitteln stehen.

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Das Wissen vom gesunden Menschen
Die Anthroposophische Medizin konzentriert sich nicht nur auf die Frage der Krankheit und ihrer Heilung, indem sie die Selbstheilungskräfte des Patienten unterstützt, sondern schreibt diesem auch eine aktive Rolle für seine eigene Gesundheit zu – nicht nur bei der Überwindung der Krankheit, sondern auch beim Erhalt der Gesundheit. Dieser Aspekt verbirgt sich hinter dem Begriff der Salutogenese. Die Polaritäten Gesundheit und Krankheit, zwischen denen der Mensch zeitlebens steht, gehören zusammen. Eine Krankheit zeigt ein Ungleichgewicht an und Gesundheit ist der Zustand, in dem sich Körper, Geist und Seele in einem individuellen Gleichgewicht befinden.

Wissenschaftlicher Nachweis über Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit
Die Hamburger IKK startete 1997 ein achtjähriges Modellprojekt, das ihr schon damals die Kostenübernahme von naturheilkundlichen bzw. anthroposophischen Behandlungen ermöglichte (anthroposophische Arzneimittel werden seit dem 1. Januar 2004 nur noch in Ausnahmefällen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet). Aus diesem Projekt entstand die „AMOS-Studie“ (Anthroposophic Medicine Outcomes Study) (1) des Institutes für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité, Humboldt-Universität, Berlin in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (IFAEMM) sowie dem Verein für Krebsforschung, Arlesheim, Schweiz.

Diese Studie gilt bislang als umfassendster Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit anthroposophischer Behandlungen und Therapien. Für diverse chronische Erkrankungen konnte mit einem speziell dafür entwickelten Studiendesign eine über zwei Jahre stabile, klinisch relevante und statistisch signifikante Besserung nachgewiesen werden und gleichzeitig waren die Patienten hoch zufrieden. Ein positiver Effekt auf die Kosten für anthroposophische Behandlungen und Therapien bei chronischen Erkrankungen konnte im Rahmen einer Subauswertung (2) dieser „AMOS-Studie“ ebenso bestätigt werden. Im ersten Jahr stiegen die Kosten im Vergleich zur im Vorjahr durchgeführten konventionellen Behandlung nicht signifikant an und sanken im zweiten Jahr sogar deutlich, was hauptsächlich auf eine geringere Zahl an Krankenhausaufenthalten zurückzuführen war.

So bieten einige Krankenkassen ihren Patienten seit Ende des Modellprojektes durch integrierte Versorgungsverträge für Anthroposophische Medizin die Kostenübernahme entsprechender ärztlicher Behandlungen und nicht-ärztlicher Therapien an.

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(1) Hamre H J, et al. Anthroposophic Therapies in Chronic Disease: The Anthroposophic Medicine Outcomes Study (AMOS). European Journal of Medical Research 2004; 9: 351-360. Deutscher Nachdruck: Hamre H J, et al. Anthroposophische Thera-pien bei chronischen Erkrankungen: Die Anthroposophische Medizin Outcomes-Studie (AMOS). Der Merkurstab 2004; 57: 419-429.

(2) Hamre H J, et al. Health Costs in Anthroposophic Therapy Users: a Two-Year Prospective Cohort Study. BMC Health Services Research 2007; 6:65. Deutscher Nachdruck: Hamre H J, et al. Krankheitskosten unter anthroposophischer Therapie: Ergebnisse einer zweijährigen prospektiven Kohortenstudie. Der Merkurstab 2007; 60: 138-147.